Session zur Partizipation


Wo lässt es sich besser über Partizipation diskutieren, als auf einer Konferenz, die selbst durch die Partizipation ihrer Teilnehmer lebt? Auf der diesjährigen frei<tag> in Potsdam (Schaufenster der FH Potsdam) war es möglich erstmals Fragen zum Thema Partizipation im bibliothekarischen Kontext gemeinsam zu besprechen. Im Blog möchte ich eine Zusammenfassung als Session-Ergebnis aufbereiten.

Foto: Liane Haensch

Dieses FolienFlip entstand in der knapp 1 1/2 stündigen Session, an der alle Teilnehmer der diesjährigen frei-tag 2012 mitgewirkt haben. Die zentrale Frage, die stets im Hinterkopf bleiben sollte war: Gibt es die Möglichkeit für einen Leitfaden für Partizipation im Bibliothekswesen? Anregungen dafür könnten z.B. zukünftig auch aus dem erst im Juni erschienenen Buch: Das partizipative Museum : Zwischen Teilhabe und User Generated Content. Neue Anforderungen an kulturhistorische Ausstellungen (ISBN 978-3-8376-1726-9) kommen.

Part 1: externe und interne Partizipation
Die erste Einteilung wurde in externe und interne Partizipation vorgenommen. Es sollte dabei sowohl an öffentliche als auch an wissenschaftliche Bibliotheken gedacht werden. Unter externer Partizipation verstanden wir die Teilhabe/Mitbestimmung des Bürgers bei bibliotheksspezifischen Fragestellungen oder bei bibliotheksspezifischen Angeboten/Dienstleistungen. Einige Beispiele zur Verdeutlichung:

Die Standortfrage
– Wie viel Bürgerbeteiligung steckt im ZLB-Neubau?
– Wie viel Bürgerbeteiligung war bei der Sanierung der SLB in Potsdam möglich?

Teilhabe
– Bestimmung der Höhe der Gebühren, wenn schon Gebühren erhoben werden müssen. Kann es ein demokratisches Verfahren geben, um die Höhe der Gebühren durch Partizipation der Nutzer zu definieren?
– Bestandsstrategie
– Teilhabe bei der Erwerbung durch Patron Driven Accquisition (PDA)
– Teilhabe bei der Sacherschließung (Tagging, Katalog 2.0), schönes Beispiel: ARTigo
– Fördervereine
Sind Fördervereine ein Auslaufmodell? Ist bei Crowdfunding mehr Partizipation möglich? Bestimmte Personen interessieren sich nur für bestimmte Projekt, bei denen sie ggf. Mitbestimmen möchten. Dies würde dann für Cwfunding sprechen!
– Mitsprache bei Öffnungszeiten (Beispiel: Leipzig)
– Protest per Petition (OpenPetition) Tools für Partizipation

Bei der internen Partizipation dachten wir an die Partizipation der Bibliotheksmitarbeiter bei bibliotheksspezifischen Fragestellungen oder bei bibliotheksspezifischen Angeboten/Dienstleistungen. Es geht dabei auch um das Einsammeln von Fachwissen, von der die eigene Einrichtung profitieren kann. Unter interne Partizipation verstanden wir auch die Partizipation von Verbandsmitgliedern bei Verbandsangelegenheiten. Einige Beispiele zur Verdeutlichung:
– Partizipation via Wissensmanagement = Verankerung in die Unternehmenskultur
– aktuelles Beispiel: BIB und Bibliojobs

Während dieser ersten schnellen Zusammenstellung ergaben sich zentrale Fragen, die unabhängig von externer oder interner Partizipation beantwortet werden müssen. Diese möchte ich ebenfalls hier festhalten:

– Schlagwort: Komplexität
– Grenzen und Möglichkeiten, mittels welcher Verfahren
– Was heißt „Partizipation“? Ist sie sinnvoll, gut oder schlecht, gewohnt oder ungewohnt?
– Ist Partizipation gewollt?
– Wo fängt Partizipation an?
– Wer übernimmt Verantwortung? (z.B.: für eine Entscheidung, wenn diese dem eigenen Wunsch der Bibliothek entgegenläuft. Stichwort: Bürgerhaushalt)
– Schlagwort: Interessenausgleich (Kommune Fürsorgepflicht für Minoritäten)
– Schlagwort: Sichtbarkeit und Transparenz
– Ist die Bibliothek nutzerorientiert? Bzw: Ist die Bibliothek bereit Nutzerwünsche zuzulassen?
– Das Bibliotheksangebot muss bekannt sein, erst dann kann Partizipation möglich sein (Information vor Partizipation)
– Welche Ziele verfolgt Partizipation: Wissen generieren, Bürger-/Nutzernähe, Transparenz, Demokratie(übung), bessere Mittelverteilung (strategisches Management), Verbesserung des Services?
– Wie können Partizipationsverfahren in Bibliotheken aussehen?
Ich glaube wir hätten weiter diskutieren und Antworten finden bzw. neue Fragen können.

Part 2: Beispiel Bestandsentwicklung
Ist der klassische Anschaffungsvorschlag schon Partizipation (ein Nutzer <-> ein Wunsch)?
– Wenn es um Partizipation geht, sollte man weg vom eigenen Interesse (Thema zur Auswahl).
– Würden Bibliotheken dem PDA-Modell folgen, wenn E-Book-Pakete zu 100% genutzt werden? Da die Nutzung von E-Book-Paketen statistisch ausgewertet werden kann, muss man sich diese Frage stellen, ob bei PDA wahrlich die Partizipation bei der Erwerbung ein Haupteinführungsgrund war.

Zu Recht kam der Einwurf, dass passive Kunden auch manchmal gern passive Kunden bleiben wollen. Wen also wie zur Teilhabe aktivieren? Passive Kunden möchten ggf. auch manchmal aktiv werden. Ist Tagging im Bibliothekskatalog nur eine Phase gewesen, wird es „noch“ praktiziert? Vielleicht muss man spielerisch (Gamification: z.B.:DIGITALKOOT) aktivieren.

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6 Gedanken zu „Session zur Partizipation

  1. Ich fand die Session sehr interessant, vielen Dank!

    DonBibs Anmerkung kann ich aber gut nachvollziehen, auch mir fehlte ein wenig der Rahmen: Wenn wir über Partizipation sprechen, was ist dann der gemeinsame Nenner, von dem wir ausgehen können? Spricht man zum Beispiel schon von Partizipation, wenn der Nutzer ein Buch entleiht, weil er damit zu erkennen gibt, dass ihm dieses Buch wichtig ist?

    Darüber hinaus halte ich die Frage nach dem Ziel von Partizipation für zentral: Warum soll ich Nutzer (oder irgendeine „bibliotheksexterne“ Gruppe) denn überhaupt in irgendeiner Form beteiligen? Mögliche Ziele klangen in der Diskussion ja an. Vom jeweiligen Ziel ausgehend kann man dann vielleicht in der konkreten Situation die Umsetzungen herunterbrechen.

  2. Pingback: frei(tag) 2012 in Potsdam « Lesewolke

  3. Da sind schon ein paar sehr interessante Ansätze dabei. Allerdings – so aus der Ferne beobachtet – scheint ja ein mangelhaftes Element das Grundwissen zu partizipativen Prozessen zu sein. Das ist kein Vorwurf, nur letztlich für mein „Wirken“ (klingt etwas hochgestochen, ich weiß) der entscheidende Ansatz. Ich denke es wird erstmal Hauptaufgabe sein Wissen über Partizipation im Allgemeinen und partizipative demokratische Prozesse im Speziellen zu vermitteln. Ganz theoretisch sollte sich die Umsetzung von selbst entwickeln.

    Danke für das fleißige Aufschreiben 🙂

    • Danke für Deinen Kommentar. Für ein erstes Brainstorming finde ich die Ergebnisse sehr gut. Ziel war es nicht Grundwissen zu partizipativen Prozessen zu vermitteln, dafür eignet sich meiner Meinung nach ein Barcamp nicht so gut. Gern aber in einem anderen Rahmen. Ich denke, dass die Zusammenfassung zeigt, dass es gut ist über Partizipation zu reden. Die Kritik nehme ich zur Kenntnis, bei Gelegenheit werde ich einen Blog-Beitrag zu Bürgerbeteiligungsprozesse allgemein schreiben.

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